01 | 09 | 2001 deutschland den krieg erklären - desaster area in leipzig



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Leipziger Volkszeitung vom 25.08.2001[druckversion][news]


Pfarrer Führer und Kabarettist Lange wollen Gesicht gegen Rechts zeigen

Aufruf zur "zufälligen Begegnung der Freunde des Herbstes '89" am 1. September auf Augustusplatz

Sie wollen Gesicht zeigen und den Rechten entgegentreten: Nikolaipfarrer Christian Führer und Kabarettist Bernd-Lutz Lange. "Wir rufen alle Freunde des Herbstes '89 auf, am 1. September um fünf vor zwölf zu einer zufälligen Begegnung auf den Augustusplatz zu kommen", erklärten die beiden prominenten Leipziger gestern gegenüber der LVZ. Derweil ist weiter offen, ob die so genannte "Bürgerinitiative für deutsche Interessen" am nächsten Sonnabend durch die Messestadt marschieren darf.

Christian Führer und Bernd-Lutz Lange befürchten, dass der 1. September, der 62. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, ein ganz trauriger Tag in der jüngeren Leipziger Geschichte werden könnte. Der von so genannten freien Kameradschaften und revolutionären NPD-Kräften ab 12 Uhr geplante Marsch vom Hauptbahnhof über den Georgiring zum Völkerschlachtdenkmal erregt ihren Zorn. Als geradezu ungeheuerlich empfinden sie das Motto des Rechten-Aufzugs: "1. September damals wie heute: Für Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung". "Dieser Slogan ist der reinste Hohn, eine unverschämte Kriegsverherrlichung, der entschieden widersprochen werden muss", empört sich Kabarettist Lange.

Er und Pfarrer Führer beide Köpfe der Wende vor zwölf Jahren -Êappellieren deshalb an alle Freunde des Herbstes '89, gegen Braun Farbe zu bekennen. Ihre Intention: Den Menschen in aller Welt deutlich machen, "dass bei uns in Leipzig, der Wiege der friedlichen Revolution, kein Platz für Nazis ist". Um 11.55 Uhr auf dem Augustusplatz wollen sie deshalb Gesicht zeigen mit den Losungen der Wende: "Keine Gewalt" und "Wir sind das Volk". "Es ist für mich unerträglich, dass auf dem Ring, auf dem die Montagsdemonstranten für die Demokratie eingetreten sind, Stiefel marschieren", sagt Führer.

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen (OVG)fordern Führer und Lange auf, den Antrag der Rechten auf Zulassung einer Beschwerde gegen das von der Stadt Leipzig ausgesprochene Demo-Verbot abzulehnen. Mit einer Entscheidung in dieser Sache ist laut OVG-Sprecher Michael Raden erst für Anfang oder Mitte der kommenden Woche zu rechnen. Ursprünglich wollte sich der Senat gestern äußern (die LVZ berichtete).

Unabhängig vom Spruch des OVG gehen Führer und Lange ebenso wie die Polizei davon aus, dass Leipzig am 1. September einen Aufmarsch von Neonazis erlebt. Entsprechende Aufrufe im Internet deuteten darauf hin. Zudem befürchten die Sicherheitskräfte, dass der vom Bündnis gegen Rechts für 18 Uhr angekündigte Protestzug durch die City gegen Bundeswehr-Einsätze in Ex-Jugoslawien (Motto: "Deutschland den Krieg erklären") gewaltbereite Autonome an die Pleiße zieht. Der SPD-Unterbezirk Leipzig-Borna und die sozialdemokratische Stadtratsfraktion forderten OBM Wolfgang Tiefensee (SPD) unterdessen auf, "alle ihm zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel zu nutzen, um jetzt und künftig Demonstrationen der ultrarechten und der linksradikalen Szene in Leipzig zu verhindern".

Die Rathaus-Spitze hofft währenddessen weiter auf einen Sieg in Bautzen. Und plant ihrerseits eine Veranstaltung auf dem Augustusplatz. Mit Unterstützung des Leipziger Courage-Bündnisses soll es am Weltfriedenstag um 12 oder 14 Uhr ein Anti-Gewalt-Fest geben. Mit der Vorbereitung beauftragt wurde Impresario Peter Degner.

D. Welters

Leipziger Volkszeitung vom 25.08.2001[druckversion][news]